Humedica Einsatz Ahrweiler

„Schreib mal wieder deinen Blog!“

So hat mein Mann mich gestern verabschiedet. Ich war etwas unsicher. Jetzt ist Ahrweiler ja keine echte „Reise“. Aber er hat recht. So können meine Lieben zu Hause irgendwie bei mir sein und werden etwas entschädigt. War doch eigentlich ein Wochenende in Erfurt geplant gewesen. Aber alles kam anders. Gestern am Nachmittag kam der Einsatzaufruf von humedica. Guido zögerte kaum, als er davon hörte und ich ihn bat, vielleicht das geplante Hotelzimmer zu stornieren. Außerdem bedeutet es, daß er nun alle meine Aufgaben übernehmen muss. Ein paar Termine konnte ich auch Freunden und Familie aufdrücken und siehe da, mein Rücken war frei und ich konnte zum Einsatz fahren. Ein bisschen Wehmut war dabei. Ich hatte mich schon sehr auf unser Familienwochenende gefreut….

Jetzt lieg ich hier in meinem beschlagen Auto, ein Stück hinter Kassel, auf einem Parkplatz an der rauschenden Fulda. Es ist 6 Uhr und ich bin wach. Eigentlich wollte ich länger schlafen. Schließlich bin ich ja gestern extra schon gestartet, um entspannter heute anzukommen. Meine Ankunftszeit ist für 12 Uhr geplant. Ich hoffe nur, daß es dann auch losgeht. Sonst war die Eile umsonst. Aber so hatte ich bis Kassel eine Fahrt mit weniger Verkehr. Der Parkplatz hier ist auch toll und ich hab erstmal gut geschlafen. Also kann es losgehen. Mein erstes Problem ist erstmal eine Toilette zu finden. Aber gut, das wird zu schaffen sein.

So, die letzte Etappe hab ich auch gut geschafft. Immer wieder begegneten mir auf der gegenüberliegenden Straße Hilfsfahrzeuge. Dann die erste Strassensperre. Jetzt ging das Gesuche los. Das erste, was auffällt ist der Staub. Der getrocknete Schlamm hängt jetzt in der Luft. Aber dann Müllberge! Riesige Müllberge. Kaum ein Durchkommen. Überall Bagger und schweres Gerät. THW, Bundeswehr und Feuerwehr. Irgendwie fand ich dann einen Platz für mein Auto. An der Einsatzstelle traf ich dann auf meine Kollegen. Es ging hier drunter und drüber. Selbst nach einer Woche gibt es noch keinen Überblick. Wir liefen dann auf der einen Flussseite alle betroffenen Straßen ab und gingen von Haus zu Haus um den medizinischen Bedarf zu zu ermitteln. Aber es waren überall viele Helfer unterwegs und überall wurde Schlamm und Müll geräumt. Die Menschen waren alle sehr dankbar und hatten auch teilweise viel Redebedarf. Aber medizinisch war nicht so viel Bedarf. Ein paar verletzte Helfer und ein paar benötigte Medikamente. Aber so konnten wir der Einsatzstelle wenigsten helfen einen Überblick zu bekommen. Es waren dramatische Geschichten zu hören. Das Wasser stand teilweise 3 m hoch und kam gegen Mitternacht innerhalb von 20 Minuten. Auch heute wurden noch Tote geborgen. Fußlahm kamen wir dann abends zurück und überlegen ob wir morgen in einen anderen Ort weiterziehen. Es wird erzählt, daß es dort schlimmer ist und erstmalig gestern die ersten Helfer hinkamen.

Als ich dann wieder zu meinem Auto kam, wurde auch in diesem Haus vor dem ich stand geräumt. Jetzt weiß ich, warum da kein Müll lag. Die hatten noch nicht angefangen. Der Anwohner war nicht so begeistert, daß ich den Platz blockierte und er nicht wusste wohin mit seinem Kram. Aber er meinte, da wir ja welche von den Guten sind, will er mal nicht böse sein. Ein Glück. Dann aber hatte ich ein Problem. Meine Kupplung war schon vorher irgendwie nicht in Ordnung und nun ging nichts mehr. Ich stand auf der Strasse und nichts ging mehr. Mist. Hier stehen lassen, ging nicht. Dann hätten die mein Auto mitsamt den ganzen kaputten Autos abgeschleppt und entsorgt! Nach einer Weile guten Zuspruch ging es aber wieder und ich kämpfte mich aus der Stadt. Überall sind Straßen blockiert und Brücken kaputt, dann habe ich noch die Abfahrt auf der Autobahn verpasst und so brauchten wir fast eine Stunde bis zum Hotelzimmer. Hier war eine ganz andere Welt. Sehr nobel und sauber ohne Staub und Schlamm/Müllkippengeruch. Und endlich duschen und ins Bett. Bin ich breit…

So heute neuer Tag. Wir sind heute zu einem sehr schwer zugänglichen Ort gefahren/gewandert. Aber auch hier sind die meisten evakuiert und medizinische Einsatzkräfte genügend vor Ort. Das heißt wir sind überflüssig. Jetzt koordinieren wir mit humedica, ob wir einfach Schlamm schippen. Aber erst brauchen wir Sicherheitsschuhe. Ohne geht es nicht.

Die Kirche hier ist voll mit Hilfsgüter. Dort finden wir auch Schuhe, Schippen und Eimer. Meine Schuhe waren riesig und die Stahlkappen definitiv nicht über meinen Zehen. Aber Hauptsache Arbeitsschutzregeln erfüllt. Eigentlich sollten wir an einer zentralen Stelle eingeteilt werden. Dort herrschte aber irgendwie das Chaos und niemand fühlte sich verantwortlich. Also zogen wir einfach von Haus zu Haus. Es gab überall zu tun. Hauptsächlich halfen wir in einem großen Vinzerbetrieb. Riesige Keller voll mit Schlamm. Teils 30-40 cm hoch. Dazwischen hunderte Weinflaschen. Anfangs wusste man gar nicht wo man anfangen sollte. Aber es kamen immer mehr Leute und so konnten wir einen großen Teil schaffen. Unglaubliche Zerstörung ringsherum. Aber auch überall hunderte Helfer. Wahnsinn, was hier geschafft wurde. Aber dann war Feierabend. Die Besitzer wollten für heute Schluß machen. Und ehrlich gesagt, waren wir auch richtig fertig. Dabei haben wir nur einen halben Tag mitgemacht….

Morgen sollten wir eventuell einen Impfstützpunkt aufmachen. Aber ich glaube, das schaffen die örtlichen Stellen allein. Wir beschließen in unserer abendlichen Besprechung den Einsatz zu beenden. Mal sehen, was humedica dazu sagt.

11. Tag

Heute früh begrüßt uns der Tag mit Sonnenschein und Regen. Kühler wird es aber dadurch nicht. Der Schweiß fließt, selbst beim Stillsitzen. Es ist heute ein einziger Brutkasten. Strom ist auch gerade ausgefallen. Klimaanlage geht also gerade auch nicht. Jetzt weiß ich, was mir hier noch gefehlt hat.

Das ganze Land ist heute etwas in Aufregung. Der Präsident ist gestorben. An jeder Ecke ist das Thema Nummer Eins. Wir hoffen, daß es unsere Reise nach Hause nicht beeinträchtigt. Mila und ich waren gerade allein noch einmal auf dem Markt. Dafür geht man ein Stück die Straße entlang und wartet auf einen Bus oder Badjaji, welches einen mitnimmt. Wir wollten aber ein Badjaji. Die sind luftiger. Irgendwann hatten wir auch Glück. Es hielt ein Badjaji. Dort saß ein einheimischer Rasta-man mit Namen Pepinno drin. Wir zögerten ein wenig, denn man steigt ja nicht zu Fremden ins „Auto“. Aber hier ist Afrika und so lassen wir uns auf diese Fahrgemeinschaft ein. Kurz wurde der Preis verhandelt. Wir sollten 2000 tansanische Schilling bezahlen. Das war ein super Preis. Also sind wir mit eingestiegen. An der Fähre brachte uns unser Mitfahrer noch zu einer Bank, wo wir Geld tauschen konnten. Er wartete dann sogar auf uns. So viel Freundlichkeit war uns schon wieder unheimlich, so daß wir böse Ideen bekamen, warum er das tat. Aber tatsächlich begleitete er uns dann noch bis zum Markt, wollte kein Trinkgeld und verabschiedete sich sehr lieb. Im Gespräch (er sprach sehr gutes Englisch) erzählte er, daß er hier Mountainbiketouren organisiert und begleitet. Echt ein netter Typ. Der Markt war sehr enttäuschend. Es gab kein Obst. Das wunderte uns erst und wir waren schon verzweifelt. Aber nach fünf Runden (jede einzelne war ein Saunagang für sich) und eine Stunde später tauchten dann die ersten Obststände auf. Ja, es macht Sinn, das Obst erst am Nachmittag zu verkaufen, wenn die Leute auf dem Heimweg sind. Aber dann hatten wir endlich unsere Avocados und Mangos und machten uns glücklich auf den Heimweg. Auch dieses Mal wieder mit dem Badjaji. Für uns sind sie wirklich preiswert. Umgerechnet ca. 1,50 Euro für etwa 6 km. Allerdings ist es für viele Einheimische ein Tagesverdienst.

Djamila ist mit ihrem Namen hier immer ganz beliebt, da es auch ein gebräuchlicher Name hier in Afrika ist. Auch die Kellnerin in dem Strassenrandrestaurant hieß so.

Dann wollte ich gerne das einheimische Restaurant am Strand ausprobieren und trieb die anderen dazu, dorthin zu gehen. Aber außer Fish and Chips war nichts zu bekommen. Also gab es ein Getränk und wir beschlossen in unserer Lodge zu essen. Wir bekamen aber noch Besuch vom Kokosnussverkäufer, dem ich wieder eine abkaufte. Und ein anderer Strandverkäufer wurde auch noch glücklich. Dann warteten wir an unserem Strand auf unser Essen. Da es erst noch gekocht werden musste, dauerte es eine Stunde. Eigentlich wollte ich schon seit einer Stunde im Bett liegen. Naja, aber Hunger ist schlimmer als Schlafmangel. Das Essen erwies sich als äußerst lecker. Hätte ich das gewusst, hätte ich hier schon eher mal was bestellt. Aber nun ist es zu spät, es geht heute um Mitternacht zum Flughafen um den Heimweg anzutreten. Jetzt stehen wir am Flughafen und versuchen einzuchecken. Es dauert…..

Die letzte Hürde war die Passkontrolle. Hier geriet ich an einen unfreundlichen Mann, der mir erzählte, daß ich kein Arbeitsvisum hätte. Schließlich hätte ich hier gearbeitet und ich würde lügen, wenn ich erzähle, nur jemand besucht zu haben. Da rutschte mir doch kurz das Herz in die Hose, da so etwas in Tansania echt streng geahndet wird. Aber irgendwann knallte er mir dann meinen Pass hin und ich durfte passieren. Ich habe ja auch wirklich nicht ernsthaft gearbeitet sondern eher hospitiert. Aber ich bin froh diese Unterschied hier niemanden mehr erklären zu müssen. So ging es wohlbehütet wieder in die kühle Heimat. Ich träume noch immer jede Nacht von Afrika und freue mich auf das nächste Mal.

10. Tag

Ich sitze gerade auf unserer Terrasse und um mich herum krähen die Hähne. Afrika ohne Hähne ist unvorstellbar auch hier in der Hauptstadt. Kurz war ich schon am Strand, weil unsere Männer Langschläfer sind. Tatsächlich hat das Meer gerade eine angenehme Temperatur. Aber baden will ich trotzdem nicht. Zu viele Algen. Der Strand wurde geharkt und gesäubert. Aber nur bis zur Wasserlinie. Dort liegen weiterhin Müll und Algenberge. Gestern Abend haben wir am Strand Abendbrot gegessen und als das Meer weg war wieder auf Entdeckungstour ins Wattenmeer gegangen. Da haben wir kleine Moränen beobachtet. Zum Frühstück gab es dann krasse krosse Brötchen, die allerdings erst fertig waren, als wir das Frühstück schon fast beendet hatten. Dann kam ein älterer weißer Mann auf uns zu und sprach uns an. Es stellte sich heraus, dass es der Besitzer war. Er erzählte von seinem Leben, welches allerdings nicht wirklich glücklich war.

Mila und ich sind dann los auf eine kleine Wattwanderung im Sonnenschein. Es waren viele Tiere zu beobachten. Kleine Fische wie Neons, Einsiedlerkrebse, Krabben, Seesterne und Seeigel. Die Einheimischen sind auch unterwegs und sammeln Algen und Getier. Mitten im Watt liegt plötzlich ein riesengroßer Kackehaufen. Wir grübelten kurz, was für ein Tier das gewesen sein könnte. Aber nee, Tiere sind nicht unterwegs. Nur Menschen. Nach einer Stunde war es genug. Die Sonne ist zu krass. Also sitzen wir wieder auf unserer Terrasse und warten auf die Flut. Wir wollen mal einen kleinen Ausflug zu einer anderen Lodge machen. Da soll es einen schöneren Strand geben. Also sind wir zu Fuß die Straße lang zum Kipepeo beach und genossen das Afrikafeeling. Auf dem Weg fanden wir dann ein paar verstaubte Souvenirläden. Dort verfielen die Männer in einen kleinen Kaufrausch. Die Straße wurde immer einsamer. Aber dann kam die Lodge. Recht urtümlich, aber durchaus gemütlich. Die Bar hatte leckere Smoothies und ich schlug bei der Kürbissuppe zu. Schließlich war es schon wieder 17.00 ohne Mittagessen. Das Wasser war hier wirklich schöner, da es mal nicht so heiß war, nur warm. Chef ist auch mal kurz rein gesprungen, aber nachdem ihn irgendetwas anknabbern wollte, kam er doch wieder raus. Dann kamen die Strandboys. Der erste mit Kokosnüssen. Da war ich dabei. Dann ein Schmuckverkäufer. Dieser war sehr aufdringlich. Aber Christian K.ist mittlerweile Meister im Handeln und so wechseln ein paar Sachen den Besitzer. Chefi nahm aus Spaß eine der Ketten und hing sie sich um. Mila und ich gingen zur Bar um unsere Getränke zu holen. Aber wir hätten die Männer nicht alleine lassen sollen. Den als ich zurück kam um sie zu holen, saß ein hübscher durchtrainierter Mann vor Chefi. Und ich dachte noch, Mann, der sieht gut aus….. Aber er war leider an Chefi interessiert und war sehr enttäuscht, daß ich dazwischen platzte. Mhm Naja, die Kette war es, denke ich. Jedenfalls konnten wir herzlich lachen. Dann sind wir am Strand zurück. Sehr spannend…. Fischer, Einheimische und viel Gelächter. Christian K. fing an, Schuhe aus den am Strand angespülten Müll zu sammeln und auf einem Stock aufzuspießen. Um dann wie die Massai Schuhe zu verkaufen. Das sorgte für viel Spaß. Sein Charme bricht das Eis mit den Einheimischen.

Später sind wir dann wieder in das Straßenrestaurant um die Ecke, weil es da die leckersten Smoothies gibt. Aber als wir ankamen und bestellen wollten, gab es keine. Das war wirklich enttäuschend. Aber während wir noch nachdenken, ob wir noch woanders hingehen, kam ein Auto an und der Chef selbst kam und bot uns dann an, uns welche zu machen. Die Kellnerin muss ihn angerufen haben. Das Essen war wieder das gleiche aber ich war zufrieden, denn ich hatte ja schon meine Kürbissuppe. Dann gab es am Strand noch einen Abschiedsafrikacoctail. Eigentlich wollten wir dann noch in den Pool springen aber ich wollte ins Bett, weil ich nun so richtig müde war und es auch schon wieder auf Mitternacht zuging. Alle anderen sprangen aber kurz rein. Aber gleich darauf kam einer der Wächter und sorgte sich um uns, da das Wasser gerade frisch gechlort wurde. Aber es war ja eh schon Schlafenszeit.

D

9. Tag

Gestern Abend sind wir noch in den Pool gesprungen, der nur dezent weniger warm als das Meer war. Keine Erfrischung. Dann sind wir noch einmal zum Meer. Das war gerade weg und so konnten wir noch eine kleine Wattwanderung machen. Dort liefen Krabben in allen Größen herum und wir ließen die Seegurken Wasser spritzen. Dann bin ich schnell ins Bett, da ich schon wieder reichlich müde war und es war auch schon wieder 23.00 Uhr.
Heute Morgen starteten wir mit einem gemütlichen Frühstück. Mila hatte gestern Abend noch in Erfahrung gebracht, daß wir vor dem PCR-Test noch zur Bank gehen müssen um ihn zu bezahlen und hat sich mit Elli verabredet. Eine sehr gute Idee. Wir fuhren also wieder Badjaji zur Fähre und dann hinüber. Dort wartete Elli auf uns. Auf der Fähre hab ich mir endlich eine Kokosnuss gekauft und Mila machte ein Foto von mir. Sofort kam ein Angestellter angelaufen und verlangte, daß ich das Foto lösche, da hier Fotoverbot ist. Ich habe dann eins der zwei Fotos gelöscht und er war zufrieden. Glück gehabt. Elli erzählte, daß ihr Telefon einmal aus diesem Grund konfisziert wurde und eine Geldsumme gefordert wurde. Elli kam gut aus der Sache heraus aber uns hätte es wirklich Schwierigkeiten gemacht. Aber mein Telefon hätte ich nicht ohne Kampf hergegeben.

Dann ging es zur Bank, das lief eigentlich ganz gut. Dank Elli, war das Ausfüllen der Formulare auch leichter. Und dann im Krankenhaus, von einem Schalter zum nächsten. Auch hier noch einmal bezahlen (90 Dollar insgesamt für jeden) Aber wir waren echt schnell durch. Also konnten wir noch die Einkaufsmeile für die Touristen stürmen. Da wir es lieben auf Elli-Art zu reisen, haben wir uns wieder alle in ein Badjaji gequetscht (der Fahrer war da nicht so glücklich mit) und sind einheimisch essen gegangen. Aber sowas von einheimisch! Die haben Panik bekommen, dass wir bei ihnen essen wollten. Eigentlich war es wie eine alte Garage mit viel, sehr viel Fliegenkacke. Uns schreckt aber so was nicht mehr. Der Taxifahrer handelte gleich mal eine Provision bei der Mama, welche das Essen kochte, heraus. Und so waren alle glücklich. Anschließend gab es am Kaffeetisch ein Stück weiter Kaffee aus der Alukanne und wer wollte Ingwerkaffee. Ich habe gerade mein Lieblingsgetränk gefunden.
Dann wieder auf dieselbe Weise wieder zurück zur Fähre. Unterwegs haben wir dann Elli verabschiedet. Am Fährhafen gab es dann noch einen großen Markt, auf dem wir uns dann für das Abendessen eingedeckt haben. Wenn wir jetzt noch Durchfall bekommen, ist es auch egal, dann annektieren wir das Klo im Flieger.
Glücklich, erschöpft und durchgeschwitzt ohne Ende waren wir um sechs zu Hause. So früh hatten wir noch nie hier Feierabend.

Sitzen gerade auf unserer Terrasse. Chef hat sich einen kleinen Sonnenstich geholt und sich langgelegt. Uns umschwirren die Moskitos. Ich war gerade mal nach dem Meer schauen und bin am Strand lang spaziert. Voll witzig. Die Krabben flüchten in Scharen und warten im flachen Wasser darauf, dass ich verschwinde. Viele Stielaugen starren mich an. Tatsächlich ist unser Strand nicht wirklich schön. Sehr viel Müll und Algen. Eigentlich ganz schön eklig. Und das Wasser immer noch mindestens pullerwarm.

8. Tag

Der Abend war wieder lang und die Nacht kurz. Ich musste nachts aufs Klo, weil ich die ganze Kokosnuss alleine austrinken musste, da niemand anderes sie trinken mochte.. Ich habe sie mit dem Messer aufbekommen, denn sie war ganz weich, weil sie noch nicht so richtig reif war. Morgens um halb sechs stand dann Christian K. auf und ich kurz danach um die Dusche hier noch einmal richtig zu genießen, denn endlich war das Wasser weder zu kalt noch zu heiß. Mila fühlt sich hier nicht so wohl. Zu viel Getier. Naja auf die Rattenkacke im Bett hätte ich auch verzichten können und die Hausspinne im Bad war auch überflüssig. Aber wenigstens beobachtete sie mich nur, während ich auf dem Klo war und zog sich diskret zurück, wenn man ihr zu nahe kam. So können wir gemeinsam miteinander auskommen. Mila hat meinen Moskitodome eingeweiht unter dem schon vorhandenen Moskitonetz. Wäre auch schade gewesen, wenn ich ihn umsonst mitgeschleppt hätte.
Dann gab es Geburtstagsfrühstück mit Christian K. mit alten Mandasis (so ähnlich wie Schmalzgebäck) und einer letzten Scheibe Brot. Alle sind satt geworden und wir ließen noch viel Obst und Gemüse zurück.
Es hat auch nicht geregnet und der Taxifahrer war pünktlich.
Am Flughafen checken wir problemlos ein. Nur Christian K.musste sein Feuerzeug abgeben, welches er heute früh erst von Mila bekommen hatte.
Nun sitzen wir für 1 1/2h im Warteraum, der krass wie im Chinaladen stinkt, fest. Immerhin gibt’s ein wenig WLAN, eine Klimaanlage und ne Couch.

So, der Flug ist langweilig. Alle schlafen. Ich bin auch kurz weggenickt aber hab geträumt ein Luftballon platzt und hab mich übelst erschrocken, da wars das wieder mit Schlafen. Ich habe mich dann auf die Suche nach dem Klo gemacht und bin im Abstellraum gelandet. Peinlich. Es war am anderen Ende und alles andere als schön. Aber auch die anderen können nicht ungestört schlafen, denn damit niemand zu laut zu schnarchen beginnt, gibt es alle halbe Stunde ein lautes Ping oder eine Ansage des Piloten.
Heute früh auf der Fahrt zum Flughafen sind unheimlich viele Kinder auf dem Weg zur Schule unterwegs gewesen. Hunderte. Alle in Schuluniformen. Außerdem fällt mir gerade ein, daß es immer lustig ist, wenn wir auf den Märkten hier unterwegs sind. Alle schauen neugierig und kommen oft auch in unsere Nähe um uns genauer anzuschauen. Viele lachen sich auch über uns kaputt. Ich stelle mir dann immer vor, wie es wäre, wenn einer von ihnen bei uns unterwegs wäre in traditioneller Kleidung. Lachen würde wahrscheinlich keiner, dafür gäbe es abschätzige und böse Blicke. Ich ziehe das Lachen vor und wenn man einfach miteinstimmt, freuen sie sich auch. So, jetzt sind wir angekommen in Daressalam. Die erste Herausforderung das Taxi zu verhandeln ist auch halbwegs gelungen. Erst wollten sie 50 Dollar haben, aber darauf haben wir uns nicht eingelassen und 50.000 (18 Dollar) tansanische Schilling draus gemacht. Obwohl da sicher noch mehr ging, aber wir wollen uns mal nicht so kleinlich haben. Nun sitzen wir hier vor der schönen Lodge und essen Nüsse! Niemand will mit mir Mittagessen gehen. Mila will eh nichts essen und Chef auch nicht. Kein Wunder, daß seine Frau so schlank ist. Christian Krug sieht alles schrecklich positiv. (das mag ich eigentlich). Für mich gehört das schön Essen gehen eigentlich zum Urlaub dazu.und wenn das Essen 5 EUR kostet, fände ich es eigentlich gemütlicher jetzt am Strand schön zu essen. Naja, aber ich will auch nicht immer der Monk sein. Bin ich ja oft genug. Meiner Figur tut es auch gut, also: don’t worry, be happy. Jetzt warten wir auf Elli, die gleich vorbei kommen möchte.

So, wir sind dann zum Strand gegangen und haben dort auf Elli gewartet. Eigentlich wollten wir baden. Aber es war heißes Meerwasser! Man kann es kaum glauben, wärmer als die Luft hier und die ist schon sehr warm. Die ersten schönen Muscheln waren schon zu finden. Als Elli kam, waren wir gerade beschäftigt, Getränke zu ordern. Das stellte sich als schwierig heraus. Die Früchte für den Saft waren alle. Am Ende gab es Melonensaft. Auch okay. Dann endlich beschlossen wir essen zu gehen. Die Karte hier ist bescheiden und aufgrund der wenigen Gäste befürchte ich, daß man zwischen Pommes und Pommes auswählen kann. Also beschlossen wir mit Elli in ein Straßenrestaurant zu gehen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Wir sind zu fünft plus Fahrer mit einem Badjaji gefahren. Das ist ein geschlossenes dreirädriges Motorrad. Und eigentlich nur für 3 Passagiere gedacht. Es war sehr lustig. Dann im Restaurant bestellten wir. Nach und nach und nach und nach trudeln unsere Bestellungen ein… oder auch nicht. Manches braucht einiges an Nachfrage. Und das obwohl Elli fließend Kisuaheli spricht. Wer weiß, was wir so alleine hinbekommen hätten. Es gab sogar frische Smoothies… ein Traum. Um die Laterne nebenan kreisen die Flughunde.
Dann traten wir allein die Rückfahrt an und kamen sogar wieder in unserer Lodge an. Nun mussten wir uns online noch einen Termin für den Coronatest holen. Es war nicht ganz so einfach. Denn der Übersetzer hatte einige Probleme mit der Landessprache. Außerdem spielte das Internet nicht gut mit.
Vielleicht schaffen wir es heute noch zum Pool.

7. Tag

Heute früh waren wir pünktlich halb sieben wieder wach und packten den Rest unserer Sachen. Iris wollte uns nach dem Frühstück schnell noch einmal die neue Maternity (Geburtsstation) zeigen, die wirklich schon ein wenig europäisch (ein kleines bißchen) wirkte und wir verabschiedeten uns vom Krankenhaus. Dann wurde wieder unser Gepäck auf dem Jeepdach verstaut und los ging es. Tito war der Fahrer und seine Frau mit den beiden kleinen Kindern kamen mit. Sie verbanden die Fahrt gleich mit einem Familienausflug und Johannita kaufte gleich für ihr Hotelli, welches sie betreibt, ein. Darum wurde auch ab und zu unterwegs angehalten um Besorgungen zu machen. Unterwegs sangen Tito und seine Frau Lieder. Echt schön, aber heiß. Die Fahrt dauerte etwa 3,5 h. Dann wollten wir eigentlich hier in Kigoma auf den Fischmarkt. Aber wegen dem derzeitigen Hochwasser war nichts los. Also führte uns Tito in ein Restaurant und wir aßen da den Fisch. Dann noch fürs Abendessen einkaufen und auf zu Jacobsenbeach. Dort begrüßte uns wieder das Zebra. Wir luden den Jeep ab. Dabei brachte ich gleich einen Teil der Einkäufe auf die Terrasse. Da flüchtete ein großer Leguan. Kurz darauf große Aufregung. Die Affen klauen hier die Sachen sobald man ihnen den Rücken zuwandte. Und so erbeutete der eine Affe unsere Ananas und Möhren. Mila versuchte sie ihm todesmutig abzujagen. Aber das Vieh fauchte sie an und so gelang ihm die Flucht. Aber der Angestellte hier gab nicht auf und holte uns die Ananas zurück matschig und angebissen, aber naja. Also gab es erstmal Kaffee mit der Familie von Tito. Kurz darauf kam wieder ein Angestellter mit einer neuen Ananas. Tito hatte ihn in die Spur geschickt. Jetzt passen wir besser darauf auf. Dann freuten wir uns auf ein Bad im See. Der ist wirklich ein Traum. Die ganze Lodge ist ein Traum. Echt sauber und bisher nur ein Gecko drin. Der See hat einen kleinen Palmenstrand mit glasklarem türkisfarbenden Wasser. Dann entdeckten wir eine Kokosnuss am Baum und Christian K.versuchte auf allerlei Arten sie zu ernten. Mit Erfolg gekrönt war dann der 6. Schlag mit dem Bambusbaum. Beinahe wäre sie dem Chef auf dem Kopf gefallen. Er fischte sie dann aus dem Wasser und ich werde gleich versuchen sie zu öffnen. Das könnte spannend werden. Aber da die Moskitos jetzt aktiv werden und wir noch bezahlen gehen müssen schreibe ich heute nicht mehr weiter.

Nun doch noch. Wir sitzen gerade auf der wunderschönen Terrasse und lassen den Abend ausklingen. Auf dem See sieht man eine Lichterkette, welche die Fischerboote bilden und über unseren Köpfen kreisen die Fledermäuse. Die Hauskatze schleicht um unsere Beine und miaut uns die ganze Zeit an. Leider frisst sie keine Ananas. Die war leider überreif und niemand will sie richtig essen. Melone geht auch nicht. Wir haben es geschafft eine unreife zu kaufen. Ich habe überlegt beides zu mischen, aber niemand wollte es. Die Wellen hören sich schön an und es ist Wetterleuchten. Das Taxi soll uns morgen früh von der Haustür abholen. Mal sehen. Der Weg hier runter ist unserer Meinung nur jeeptauglich, aber Tito meint, daß tansanische Taxifahrer das schaffen. Wir werden ja sehen. Ich hoffe, es regnet nicht, denn dann geht das ganz bestimmt nicht. Und ich habe jetzt schon Kopfkino und fange an zu lachen, wenn ich mir vorstelle, wie wir mit dem Gepäck durch Schlamm waten und beschmiert mit roter Erde oben an der Rezeption ankommen.

6. Tag

Heute Nacht halb vier weckt uns Iris. Ich dachte sie muss zur OP und entschied weiter zu schlafen, da ich wieder erst Mitternacht eingeschlafen bin. Aber nee, die Hebamme wars. Extra für mich. Da ich ja unbedingt mal dabei sein wollte. Mein erster Impuls war abzusagen, aber nun waren alle wegen mir wach. Das konnte ich nicht bringen. Also raus aus dem Bett, schnell anziehen und los.
Das Baby ließ dann auch noch auf sich warten und Iris griff dann ein, weil es schon viel zu lange gedauert hat. Es war das neunte Kind der Frau. Nur sehr selten schreit mal hier eine Frau bei der Entbindung. Auch unsere war sehr tapfer. Das Kind war etwas schlapp, aber munter und Iris half mir bei der Versorgung. Um kurz vor sechs waren wir dann endlich zurück. Um am Leben zu bleiben, musste ich die anderen allein zur Andacht ziehen lassen. Um halb acht bin ich dann auch aufgestanden und habe schon Frühstück gemacht. Kaum war ich fertig, kamen sie auch schon. Danach musste Iris Visite machen, ich bin mit Christian K. dageblieben, um den Haushalt zu übernehmen. Da Iris wirklich noch viel zu tun hatte und wir gestern schon den Besuch bei Tendos ausfallen lassen mussten, schlugen wir vor, allein zu ihm zu gehen. Schulhefte mussten auch noch gekauft werden. Tendos führte uns dann durch den Ort auf einem Hügel. Dort hatte er sich für die lokalen Verhältnisse ein schönes luftiges Haus gebaut. Der Boden Lehm und die Wände unverputzte Ziegel. Der Dachstuhl offen aus zusammen gezimmmerten Latten mit Wellblech drauf. Wir wurden in die Wohnstube gebeten und mussten uns wieder obligatorisch die Hände waschen. Die arme Frau, die immer das ganze Wasser diesen Berg hinauf tragen muss.
Es gab Maniok und Erdnüsse. Danach besuchten wir noch seine Mutter und Geschwister, welche noch in traditionellen Lehmhütten wohnen. Wir durften sogar kurz hinein. Unterm Dach klemmten Zahnbürsten und Kamm. Zwei Hocker und Töpfe und Wasserkanister. Hinterm Vorhang der Schlafplatz. Das wars. Die Küche ist ein extra Gebäude, wo mit offenen Feuer gekocht wird.
Dann zurück, Reis aufgebraten und mit Erdnüssen und Guakamole Mittag essen. Da Tendos keine Anstalten machte zu gehen, haben wir ihn kurzerhand eingeladen. Dann ging es auch wieder zackig los. Wir mussten Chrissi, den Jungen, den wir aus der Schule mitgenommen haben, wieder zurück bringen. Außerdem war der Geburtstagsbesuch bei Shukrani, Iris ihrem Ziehsohn, geplant. Die Schulen zu besuchen, ist ziemlich beklemmend. Die Kinder dürfen dort nur in den Ferien nach Hause fahren. Stacheldraht auf den Mauern erinnern an ein Gefängnis.
Man muss sich zwischen ordentlicher Schulbildung oder nicht entscheiden (sofern man überhaupt dazu das Geld hat), aber es ist eine schwere Entscheidung. Außerdem ist das Schulgeld an den guten Schulen so hoch wie der Mindestlohn hier (wenn man das Glück hat, überhaupt eine Anstellung zu haben) und das ist nur für ein Kind.
Also werden viele diese Entscheidungen nicht treffen müssen und können.

So, jetzt ist es schon der nächste Tag und ich war gestern Abend so durch, daß ich nicht mehr fertig schreiben konnte. Chrissi war sehr traurig als wir ihn ablieferten. Diesmal gelang es uns auch einen Blick in die Schlafsäle. Dort stand Reihe an Reihe ein Doppelstockbett neben dem anderen. Die privaten Sachen sind in einem anderem Raum. Jedes Kind hat dort eine Blechkiste in der es seine Sachen hat.
Dann ging es weiter in die nächste Schule. Dort warteten wir auf Shukrani. Das dauerte seine Zeit. Iris meinte, daß die Kinder sich noch vorher duschen und umziehen mussten. Wir improvisierten dann eine Kaffetafel. Shuku kam dann mit seinen Freunden. Die Kinder waren sehr verschüchtert und redeten kein Wort. Aber ich denke, es war trotzdem eine schöne Runde. Bei mir machten sich aber ordentliche Kopfschmerzen breit und auch die Novalgin,die hier das Allheilmittel ist, hilft nur begrenzt. Bloß gut, daß wir alle schon wieder ziemlich dehydriert waren, denn als wir die Toilettentür nur mal aus Neugier öffneten, erschlug uns schon der Geruch, so dass die Tür schnell wieder zugemacht wurde.
Dann ging es weiter nach Kasulu. Dort war noch ein Marktbesuch geplant, den insbesondere ich mir gewünscht habe. Aber heute war ich schon so durch, daß ich das Gewusel, Hitze, Enge, Lärm kaum noch ertragen konnte und froh war, dass wir zurück fuhren. Zudem hatten wir nur kurz Zeit, so daß wir auch nicht die Ruhe hatten. Naja, ich hoffe in Daressalam bietet sich noch einmal die Gelegenheit. Im Dunkeln ging es dann zurück. Auch jetzt war der Straßenrand gesäumt Bon Menschen, die heimkehrten. Und wir mussten aufpassen niemanden zu überfahren. Nur die vielen Kinder, die sonst immer an der Straße spielten waren wahrscheinlich schon im Bett.

5.Tag

So heute komme ich erst spät zum Schreiben. Der Tag fing ziemlich gemütlich an und schien heute sehr ruhig zu werden. Nach der Andacht sind wir alle nach Hause und haben das Frühstück vorbereitet während Iris zur Besprechung war. Anschließend ist Iris mit Christian zur Visite. Mila und ich haben den Haushalt geschmissen und noch mal Wäsche gewaschen. Dann sind wir ins Krankenhaus und haben uns gut beschäftigt, indem wir viele Verbände machten. Es war viel los und Mittag war wieder ziemlich spät. Dann ging es wieder zurück die letzten Patienten behandeln. Bei der letzten Patientin stellte sich heraus, daß sie eine Eileiterschwangerschaft hatte und schon Blut im Bauch hatte. Also Not-OP. Als wir mit der Patientin dort ankamen, war noch niemand da. Als der Anästhesist kam, fing die Frau plötzlich an zu diskutieren, sie könne nicht schwanger sein. Auch die Angehörigen kamen und redeten schimpfend auf die Frau ein. Iris machte ihnen klar, daß die Frau ohne OP stirbt. Sie hatte schon 3 Kinder. Also ging es los.
Leider war das eine absolut krasse OP. Blutig wurde das Klischee jetzt erfüllt. Dann hörte die Frau auch noch auf zu atmen. Nun hatten wir Notfall pur. Kein Beatmungsgerät, Intubation gelang nicht also Beutelbeatmung. Kurze Zeit später war sie glücklicherweise wieder stabilisiert. Alles ohne Monitor nur Pulsoxi und Blutdruckmanschette.
Die OP gelang aber gut. Anschließend wurde die Patienten aber nicht richtig wach. Der Anästhesist hatte irgendwie in der Hektik noch zusätzlich ein Narkosemittel verabreicht. Wahrscheinlich war das mit dem Sauerstoff gekoppelt. Wir lagerten sie sicherheitshalber schon in die stabile Seitenlage. Wir sollten sie dann auf Station bringen. Aber gerade als wir am Bett ankamen, fing die Frau an zu röcheln, erbrach und atmete nicht mehr richtig. Also wieder kehrt, OP Pfleger und Schwester gerufen. Alle waren in Aktion, da stand plötzlich die Mutter vor der Trage. Da ich damit rechnete, die Frau gleich wieder reanimieren zu müssen, wollte ich sie vor die Tür schicken. Aber sie bestand darauf bei der Tochter zu beten. Tatsächlich war dann keine Reanimation mehr nötig. Gott sei Dank. Den OP Pfleger verdonnnerte Iris dann dazu am Bett der Patientin zu bleiben, bis sie wieder ordentlich wach ist. Das dauerte dann tatsächlich bis zum Abend. Also ordentlich Überstunden…. Aber selbst schuld.
Anschließend gingen wir zum Doktor. Dort waren wir zum Abendessen eingeladen. Es war bereits 19.00 Uhr. Dort in der Wohnstube lief der Fernseher und der Doktor war nicht sehr gesprächig. Nach dem Essen kam das Gespräch darauf, ob man der Frau beim Abwasch helfen sollte. Ich fragte aus Neugier und Mila hörte mit ihrem Appellohr und dachte, ich wollte abwaschen. Da sie sofort aufsprang um zu fragen dachte ich, sie wollte abwaschen und schwupps standen wir im Dunkeln auf dem Hof an den Abwaschschüsseln mit superseifigem kaltem Wasser und einem Stück Netz als Abwaschlappen. Beide dachten wir der andere wollte es. Aber tatsächlich hatte niemand von uns Lust auf Abwaschen. In dieser Situation bekamen wir dann plötzlich einen absoluten Lachflash. Fleißig brachten wir die Sache zu Ende.
Danach ging es nach Hause. Stockdunkel mit grandiosem Sternenhimmel. Morgen sollte ein freier Tag werden, aber dann rief der Doktor an und bat Iris die Visite zu übernehmen. Also auch morgen wieder straffer Zeitplan.
Ab heute gilt Tansania als Hochrisikogebiet. Iris hofft, dass wir hierbleiben.
Aber heute hat auch Elli, die ich schon in Mbesa kennenlernen durfte, sich gemeldet. Sie ist auch zufällig in Daressalam, wenn wir dahin kommen. Das ist wirklich toll, denn Elli kann uns helfen, wenn es Probleme geben sollte. Denn nun brauchen wir den PCR Test nicht nur 72h sondern 48h vorher. Hoffentlich geht alles gut.

4 Tag

Okay, meinen langen Bericht von heute habe ich gerade gelöscht, ist heute nicht mein Tag! Es fing damit an, dass Mila und ich heute mal nicht mit zur Andacht wollten. Ich wollte meine Haare waschen und föhnen und Mila einen zweiten Kuchen backen, da der Gestrige hoffnungslos verbrannt war. Ich hatte nicht auf dem Schirm, daß es nur abends mit dem Generator genug Strom gibt. Mit Solarstrom (12 Volt) funktioniert kein Fön. Der zweite Kuchen verbrannte leider auch! Dafür war das Frühstück sehr lecker. Denn das Brot ist gut gelungen. Es ist ein Weißbrot mit Erdnüssen , welches täglich von Iris oder den Angestellten gebacken wird. Wenn es doch mal nicht so frisch ist, wird es in der Pfanne getoastet. Alle Lebensmittel sind hier immer gut verschlossen, da überall die Kakerlaken hinfinden. Mila hat gestern Abend noch versucht den Beamer von Iris zu reparieren. Leider war es doch ein größeres Problem, so daß heute vormittag noch ein einheimischer MC Gyver vorbei kam. In der Zeit, in der er sein Glück versuchte, buk Mila einen dritten Kuchen, diesmal mit Erfolg. Nur in einem Ei war ein Küken. Gepiept hat es nicht mehr.

Naja, da werden die Hunde dann was auf dem Kompost finden. Ich beschäftige mich mit dem Abwasch und ein bisschen Hausarbeit. Endlich konnte ich auch mal meine Sachen aufräumen, da unser Zimmer aussah wie Bombe. Dann endlich ging es zurück. Leider war die Visite schon vorbei. Bei der Sprechstunde war ich dann hoffnungslos überflüssig, da auch Mila und Chef nach Beschäftigung suchten. Der Schrank war auch schnell fertig aufgeräumt. Die Christine, welche hier auch arbeitet, bat ich in den letzten zwei Tagen darum, mich wenigstens mal zu den Entbindungen zu rufen, aber sie hat es bisher immer vergessen. Naja. Ich habe gerade einen kleinen Tiefpunkt. Nur rumstehen ist nicht meins. Also werde ich jetzt dann Wäsche waschen und mich ausruhen. Die Hunde vor der Tür jaulen gerade elendig. Sie sind eingesperrt. Abends jaulen gefühlt alle Hunde des Dorfes. Ein richtiges Wolfskonzert.

Das Wäsche waschen war genau so unbefriedigend wie der Rest des bisherigen Tages. Ich habe versucht die Hosen von Iris zu waschen, aber egal wie ich geschruppt habe, die roten Schlammspritzer waren nicht wirklich aus den weißen Hosen zu entfernen.
Nach dem Mittagessen ging Mila wieder mit Iris in Krankenhaus und die Christians ins Bett. Ich habe mich mit der Milch, die wir bekommen haben beschäftigt. Die musste gesiebt werden und abgekocht werden. Ein Teil davon wurde für Joghurt gebraucht, den Iris selbst macht. Der Rest sollte eingefroren und getrunken werden. Als ich mitten dabei war, alles vollgekleckert und chaotisch, ruft Iris an und sagt, daß gleich die paar Angestellten, für welche der Kuchen war, da wären. Sie würde etwas später kommen. Aaaaah….. Panik.
Schnell Milch umkippen, alle Töpfe waren besetzt, da ich nun flink Wasser kochen musste für Kaffee, aufräumen und Kuchen aufschneiden und aufdecken. Schon kamen die Männer um die Ecke. In Panik, hab ich die Christians aus dem Bett geworfen und nun packten alle mit an. Auch Iris und Mila kamen dann. Es war eine tolle Runde und der Kuchen so lecker, daß er ruckzuck alle war. Anschließend waren wir bei Habili (der Krankenhausfahrer) noch eingeladen. Wieder essen. Dort gab es frische geröstete Erdnüsse und supersüßen Tee. Anders als bei Tito war dieses Haus ziemlich einfach. Der Boden war aus unebenen Lehm, die Mauersteine nicht verputzt, aber wenigstens Fenster. Die Kinder wurden auf eine Matte gesetzt. Vor dem Essen wurde eine Schüssel zum Händewaschen rumgereicht. Auch hier war es wirklich nett. Dann kam aber der Anruf vom Krankenhaus und wir wurden zum Kaiserschnitt gerufen. Es war einfach toll, dieses Mal mit Iris zu operieren. Sogar Christian K. durfte mit. Anschließend waren alle wieder geflasht und glücklich. Mir hat es den Tag gerettet.
Dann ging es zum Abendessen zu Christine und dort gab es Süßkartoffel mit tomatiger Erdnusssoße. Jackfrucht und Annanas. Mit interessanten Gesprächen ließen wir den Abend ausklingen.

3.Tag

So, heute und gestern habe ich schlecht geschlafen und merke, daß ich das Tempo gerade nicht mehr halten kann. Dazu eine nicht so tolle Nachricht aus Deutschland….
Ich brauche gerade mal eine Pause. Es ist jetzt halb 12 und der Generator draußen tuckert. Wahrscheinlich weil damit gerade der OP versorgt wird.
Heute früh sind wir nach der Andacht ins einheimische Restaurant zum Frühstück gegangen. Das Essen war fettig und der Tee süß. Das Ambiente, wie sag ich es richtig?… bodenständig. Also ich fand es ganz lecker. So ein Restaurant wird hier Hotelli genannt.
Anschließend ging es zur Visite. Aber schon kurz darauf wurden wir vom Doktor angerufen. Wir waren zu einem Kaiserschnitt im OP verabredet. Also sind Mila und ich schnell hin. Und ich hatte dieses Mal Socken dabei! Juhu.
Es war der dritte Kaiserschnitt der Frau und sie schien gelassen zu. Alles klappte hervorragend. Mila hielt anschließend den Uterus in der Hand damit der Doktor nähen konnte. Dann wurde alles wieder reingestopft und chic zugenäht. Dem Baby und der Mutter ging es gut. Draußen warteten schon die Angehörigen, welche Mutter und Kind jubelnd begrüßten. Danach gab uns Iris den neuen Auftrag einen kranken Fuß zu versorgen. Als wir mit den notwendigen Verbandsstoffen zurück kamen, war der Mann wieder verschwunden. Ich wollte aber jetzt gern zurück und Pause machen. Mila noch warten. Also bin ich alleine zurück. Jetzt lass ich mir bei Generatorgetöse die stechende Sonne auf den Pelz scheinen. Viel Haut darf man ja nicht sehen lassen.
Mal sehen wann die anderen zum Mittagessen kommen. Jetzt ist es 12.00 und ich leg mich erstmal hin.

So, hinlegen war nicht. Ich bin doch wieder ins Krankenhaus. Kaum dort, ging wieder der tägliche Wolkenbruch mit Blitz und Donner los. Alles steht unter Wasser, dann kommt wieder die Sonne raus. Sogar kleine Hagelkörner waren dabei. Einmal hat es so gedonnert, daß wir alle ordentlich zusammen gezuckt sind. Im Krankenhaus haben wir dann die Schränke aufgeräumt und sortiert. Die Arbeit ging irgendwie nicht zu Ende und so mussten wir irgendwann alles liegen lassen, weil wir bei Tito eingeladen waren. Tito ist hier der gute Haus- und Hofgeist. Er sorgt überall für Ordnung und packt mit an. Erst sind wir zur Wasserstelle gegangen, dort holen die Frauen und Kinder aus dem Ort Wasser. Es ist eine Herausforderung auf dem nassen rotem Schlamm zu laufen. Es ist wahnsinnig rutschig. Ich habe es heute einmal barfuß versucht, da eh die Füße rot waren. Ich dachte, ich könnte mir dann das Schuhe putzen sparen. Aber prompt bin ich so schlimm ausgerutscht, dass ich mir den großen Zeh verdreht habe. Also doch wieder Schuhe. Dann mussten wir uns sputen um pünktlich zu Tito zu kommen. Er wohnt für afrikanische Verhältnisse sehr komfortabel. Ein wenig mussten wir auf das Essen warten und Johannita, Titos Frau, war es peinlich. Sie hatte extra am Morgen ein Hühnchen gekauft, dieses ist aber wieder fortgelaufen. Erst eine halbe Stunde vorher konnten es die Kinder wiederfinden. Es musste aber noch geschlachtet und gerupft werden. So frisches Huhn hatte noch niemand von uns gegessen.
Aber so konnte auch Christian K. noch pünktlich zu uns stoßen. Er war mit dem Krankenhausfahrer nach Kigoma gefahren um dort einen Patienten hinzubringen. Auch er brachte tolle Erlebnisse mit. So gibt es immer viel zu erzählen. In den nächsten Tagen stehen nun noch andere Einladungen an und wir kommen gar nicht dazu die hammermäßigen Avocados vom Doktor zu essen. Abends zauberte Mila noch einen Kuchen für die Männer, welche hier arbeiten als Dankeschön für die Einladungen. Aber vorher stand wieder das allabendliche Schuhe und Füße putzen an.